Bye bye, Böller!
Eigentlich liegen die Gründe für ein Verbot privater Feuerwerke seit Jahren auf der Hand: zahlreiche Verletzte und damit überlastete Rettungsdienste sowie Krankenhäuser, Stress und Angst bei Haus- und Wildtieren, eine hohe Feinstaubbelastung, vermüllte Plätze und Straßen, Sach- und Brandschäden und zu guter Letzt Angriffe mit Böllern auf Polizei und Rettungskräfte.
Und doch konnte sich die Politik bisher nicht zu einer Entscheidung auf Bundesebene durchringen. Einige Kommunen haben diesbezüglich schon vor Jahren Regeln für öffentliche Plätze aufgestellt, ihre Möglichkeiten sind jedoch begrenzt – genau wie die Bundesländer sind sie bis dato an das Bundesgesetz zum Verkauf und dem Abbrennen von Feuerwerkskörpern gebunden.
Der kleine Nachbar macht es vor
Dass ein Verbot auch ohne Umschweife möglich ist, zeigen wieder einmal die Niederlande. Wie schon beim Tempolimit auf ihren Autobahnen handeln sie einfach – statt jahrelang nur darüber zu diskutieren: Ab 2026 ist in den Niederlanden private Silvesterböllerei komplett untersagt. Obwohl die Holländer eine böllerfreudige Nation sind, wird dieser Schritt von einem Großteil der Bevölkerung unterstützt.
Das Bündnis #böllerciao, dem sich u.a. viele Tierschutzorganisationen, das Deutsche Kinderhilfswerk, Ärzte und die Polizeigewerkschaft angeschlossen haben, fordert die Innenminister nun ebenfalls zu einer klaren Entscheidung auf. Bis dato leider ohne Erfolg: Die Stadtstaaten Bremen und Berlin hatten z. B. vorgeschlagen, den Kommunen deutlich mehr Spielraum zu geben, um Verbote flächendeckend aussprechen zu können. Dies wurde jedoch bis dato nicht umgesetzt.
Ausnahmezustand im Tierheim
Wie stressig die Silvesternacht für Tiere ist, erleben wir jedes Jahr bei uns im Tierheim. Deshalb haben wir im letzten Jahr laminierte Türschilder an unsere Türen gehängt, um die Besucher auf die Aktion #böllerciao aufmerksam zu machen; auch dieses Jahr ist das geplant. Wir posten auf Social Media, dass das Tierheim die ganze Nacht erreichbar ist, alle Anrufe werden auf das Telefon von Benjamin Pasternak umgeleitet. „Immer mal wieder büxen ängstliche Hunde aus“, berichtet er. „Die Feuerwehr bringt sie dann zu uns und die Besitzer können sie noch nachts abholen. Wenn die Hunde bis zum nächsten Tag bei uns bleiben müssten, wären sie sonst noch mehr Stress ausgesetzt.“
Für unsere Hunde im Tierheim lassen wir die ganze Nacht das Licht an, damit sie das Flackern der Feuerwerke nicht so sehen. Natürlich kommen sie nicht wirklich zur Ruhe und schlafen weniger, aber das ist definitiv das geringere Übel. Auch für Katzen ist Silvester belastend. „Für unsere Pflegekatze Ginger lassen wir ebenfalls das Licht an. Ausnahme ist das Schlafzimmer, hier lassen wir die Rollos herunter und machen Musik an, so dass es dunkel und abgeschottet ist und damit ein möglicher Rückzugsort.“
Hier geht’s zur Aktion und zur Petition #böllerciao.