Keine Urlaubssouvenirs

Straßenkatzen
Straßentiere: In Südeuropa alltäglich, für Touristen oft ungewohnt

Urlaub am Mittelmeer – das bedeutet strahlend blauer Himmel, warme Sommernächte, Tage am Strand und laue Abende im Restaurant. Urlaub am Mittelmeer, z. B. in Griechenland oder der Türkei, bedeutet auch: Herrenlose Katzen stromern am Strand oder unter der Sonnenliege herum, begegnen Touristen auf dem Weg zum Supermarkt oder in den Ort, betteln abends im Restaurant nach Futter. Und nicht selten treffen Urlauber auch auf herrenlose Hunde und sind verunsichert, wie sie mit ihnen umgehen sollen.

Fakt ist: In vielen südeuropäischen Ländern gehören streunende Katzen und Hunden zum ganz normalen Alltag dazu. Viele Restaurants und Cafés haben das so akzeptiert, stellen am Eingang Futter für die Katzen bereit und stören sich auch nicht daran, wenn die Tiere die Gäste anbetteln. Touristen wiederum kennen dieses Bild aus ihren Heimatländern meist nicht und sind nicht selten so berührt, dass sie am liebsten sofort möglichst viele Tiere retten wollen.

Oberstes Gebot: Wissen, was möglich und vor allem sinnvoll ist. So manche gut gemeinte (aber womöglich kopflose) Rettungsaktion geht nach hinten los und die Tiere landen in der Heimat wochenlang bei uns im Tierheim in Quarantäne. Deswegen haben wir ein paar Tipps zusammengestellt, wie man sich Straßentieren im Urlaub gegenüber richtig verhält und wie man ihnen tatsächlich helfen kann.

Straßenkatze im Restaurant
In vielen Restaurants betteln Straßenkatzen um Futter

Füttern

Straßenkatzen erhalten meist kein regelmäßiges Futter und Trinkwasser; sie müssen sich von dem ernähren, was sie finden. Viele sind unter- und/oder mangelernährt. Sie sind außerdem daran gewöhnt, Touristen um Futter anzubetteln, häufig auch am Tisch im Restaurant. Hier nachzugeben ist nicht grundsätzlich verkehrt, zu bedenken ist aber: Die Katzen können durchaus fordernd werden, kleinere und schwächere Tiere haben gegenüber ausgewachsenen Katzen häufig das Nachsehen und werden von ihnen verscheucht.

Außerdem gewöhnen sich die Tiere an diese Art der Nahrungsbeschaffung. Im Herbst, wenn weniger Urlauber kommen, stehen auch weniger Leckerbissen zur Verfügung – das kann für sie zum Problem werden. Hier hilft, das Gespräch mit Einheimischen, Gastronomen und Hotelmitarbeitern suchen. Häufig kümmern auch sie sich um die Katzen.

Straßenhund
Vorsicht bei Straßenhunden! Nicht einfach drauflos streicheln

Streicheln

Unbestritten müsste man aus Stein sein, wenn die traurige Situation der Straßenkatzen und -hunde nicht ans Herz gehen würde. Deswegen haben viele Urlauber automatisch das Bedürfnis, die Tiere zu streicheln. Kommen sie freundlich auf jemanden zu, ist dagegen auch prinzipiell nichts einzuwenden. Man sollte sich aber im Klaren darüber sein, dass sie oft an Infektionen und Parasiten leiden. Flöhe, Würmer oder Pilzerkrankungen sind häufig. Deswegen sollte man nach dem Streicheln grundsätzlich die Hände waschen und desinfizieren.

Bei Tieren, die sich auffällig verhalten oder womöglich sogar beißen, jedoch unbedingt Abstand halten! Hunde- und Katzenbisse können zu bösen Infektionen führen, schlimmstenfalls ist das Tier an Tollwut erkrankt.

Katze im Transportkorb
Ein Tier mit nach Hause nehmen - das klingt zunächst verlockend

Take me home?

Die Entscheidung, ein hilfebedürftiges Tier mit nach Hause zu nehmen, ist meist spontan und selten wohl überlegt. In der Heimat merkt dann der ein oder andere, welche Verantwortung er sich aufgeladen hat und dass das Tier unter Umständen gar nicht in den Alltag passt. Und so landen nicht wenige Straßenkatzen oder -hunde letztendlich im Tierheim. „Man muss es leider so sagen: Jedes Tier, das nach einem Urlaub zu uns gebracht wird, nimmt einem deutschen Tier den Platz weg“, erklärt Benjamin Pasternak. Denn die Tierheime sind ohnehin überfüllt und die Tiere dort warten ebenfalls auf ein liebevolles Zuhause.

Außerdem würden viele Urlauber sich nicht genau über die Einreisebestimmungen informieren. „Tollwut ist immer wieder Thema bei uns. Wenn Tiere aus dem Urlaub, z. B. aus dem früheren Jugoslawien, mitgebracht werden, und ihr neuer Besitzer zum ersten Mal beim Tierarzt mit ihnen ist, sind sie manchmal ungeimpft oder nicht ausreichend geimpft.“ Das bedeutet: 30 Tage Quarantäne bei uns im Tierheim, danach wird über eine Blutuntersuchung geklärt, ob die Antikörper ausreichen. „Der Tither reicht oft nicht, der Hund wird nochmals geimpft und muss weiter hierbleiben. Manche Tiere sitzen drei Monate hier fest.“

Finger weg von Flugpaten

In den Reiseländern werden vor Ort häufig Flugpaten gesucht, die die Tiere mit nach Deutschland nehmen. So fliegen sie als privates Tier mit und die Organisation, die sie hier vermitteln möchte, spart die Flugkosten. Am Flughafen wird das Tier dann von der Organisation übernommen und der Vermittlung zugeführt. Benjamin Pasternak warnt dringend davor: „Man hilft nicht den Tieren damit sondern meist zwielichtigen Vereinen, die viel Geld damit verdienen. Keine seriöse Tierschutzorganisation würde Urlauber bitten, für sie einen Tiertransport durchzuführen. Man kennt das Tier schließlich überhaupt nicht.“

Vor Ort spenden

Wer helfen möchte, kann dies am besten vor Ort tun. Viele Tierschutzorganisationen engagieren sich in den betroffenen Regionen und betreuen z. B. Kastrationsprogramme, führen Impfungen durch und stellen Futter bereit. Sie sind ganzjährig tätig, so dass die Hilfe auch in den Wintermonaten gewährleistet ist. Damit dies möglich ist, sind sie dringend auf Spenden angewiesen. Über den Deutschen Tierschutzbund e.V. und andere bekannte Tierschutzorganisationen finden Sie seriöse Projekte vor Ort.

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