Pflanzenmilch
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Der Trend geht weg von tierischen Erzeugnissen, hin zu pflanzlichen Alternativen. Statistiken beweisen, dass der Pro-Kopf-Verbrauch von Kuhmilch auf der einen Seite sinkt und die Absatzzahlen von Pflanzendrinks auf der anderen Seite steigen. Dass die Massentierhaltung von Kühen schädlich fürs Klima ist, ist längst weitreichend bekannt. Die Tiere setzen Kohlendioxid und Methan frei und es ist viel Land für deren Futter nötig. Doch wie sieht es mit der Produktion von Milchalternativen aus? Sind sie nachhaltiger als die Milch aus dem Euter?

Umweltbelastung im Check
Die Stiftung Warentest hat 2020 getestet, wie sich die ökologischen Folgen je einem Liter Milch (ob tierisch oder pflanzlich) unterscheiden. Was die Emissionen von Treibhausgasen und die Belastung von Gewässern angeht, ist Kuhmilch deutlich der Spitzenreiter. Pro Liter werden 2,2 kg CO2 freigesetzt und 9,2 Gramm Phosphat gelangen in die Gewässer. Kein Pflanzendrink erreicht diese hohen Werte, die CO2-Emissionen überschreiten nicht einmal die 1 kg-Marke. Und auch was die Gewässerbelastung angeht, bleiben alle Alternativen zu Milch unter 5 Gramm. Nur beim Wasserverbrauch haben Mandel- und Reismilch die Nase vorn: Mit jeweils 371 Litern und sogar 586 Litern, liegen sie vor dem Wasserverbrauch von Kuhmilch mit 248 Litern. Bei der Mandelmilch kommt noch hinzu, dass die dafür verwendeten Mandel aus Kalifornien stammen, wo bereits eine große Wasserknappheit besteht. Zusammengefasst lässt sich aus dem Test entnehmen, dass der Haferdrink am nachhaltigsten produziert werden kann.

Gesund, gesünder, Pflanzenmilch?
Doch wie sieht es mit den Nähstoffen aus? Kuhmilch gilt als wichtige Kalzium- und Eiweißquelle, sie liefert auch B-Vitamine, Jod, Magnesium und Zink. Auch die Behauptungen, dass Kuhmilch ungesund sei, haben sich wissenschaftlich bisher nicht bestätigt. Studien berichten sogar von positiven Effekten auf das Herz-Kreislaufsystem. Können die Pflanzendrinks da mithalten? An den hohen Eiweißgehalt kommt nur die Sojamilch hin, hierbei müssen sich Verbraucher jedoch oft an den ungewöhnlichen Geschmack gewöhnen. Hinzu kommt, dass bei Sojadrinks immer wieder mangelhafte Produkte in Tests auffallen, belastet mit Nickel oder Chlorat. Die weit verbreitete Annahme, für Sojamilch würden die Regenwälder im Amazonas gerodet werden, stimmt so jedoch nicht. Soja für Drinks wird meist in Europa angebaut, während die Regenwälder für Futtersoja weichen müssen. Der Haferdrink liefert mehr ungesättigte Fettsäuren als Kuhmilch und ist reich an Ballaststoffen. Er enthält etwa ein Drittel des Eiweißes, Vitamine und Kalzium aber nur dann, wenn sie zugesetzt werden. Der Hafer dafür stammt meist aus Europa und oft auch aus Deutschland selbst, was die Transportwege kurz hält. Auch der Mandeldrink liefert ungesättigte Fettsäuren und Ballaststoffe, er enthält jedoch mehr Fett als Kuhmilch. Reismilch enthält kaum Eiweiß und ist fettarm, dafür enthält er aber sehr viel Zucker, der bei der Herstellung von Reis entsteht. Der Reis dafür wird in gefluteten Feldern angebaut, was den enormen Wasserverbrauch erklärt.

Verbraucher haben die Qual der Wahl
Hafermilch ähnelt der Kuhmilch nur in Aussehen und Konsistenz, ohne Zusätze, lässt sie sich sogar für den beliebten Latte Macchiato oder Cappuccino aufschäumen. Gerade für Müsli und Kaffee eigenen sich Haferdrinks besonders gut, da die leichte Süße gut passt und der sonst eher prominente Hafergeschmack in den Hintergrund tritt. Zum herzhaften Kochen einer Bechamel-Soße beispielsweise, eignen sie sich jedoch auf Grund der Süße nicht. Schlussendlich muss jeder Verbraucher selbst testen und herausfinden, welche Alternative zu Kuhmilch am besten schmeckt.
Was den gesundheitlichen Aspekt angeht, so kann nicht behauptet werden, dass pflanzliche Milchalternativen wahre Wunder am menschlichen Körper vollbringen. Ob man Hafer- oder Kuhmilch in ein Schokomüsli schüttet oder mit Kakao verrührt, ungesund ist das Ergebnis in beiden Fällen. Und mit Sicherheit wird ein bewegungsfreudiger Mensch, der Kuhmilch verzehrt, gesünder sein als jemand, der zu pflanzlichen Drinks greift, aber keinen Sport macht. Trotzdem können Sie einen Unterschied bewirken, indem Sie der Umwelt und den Milchkühen zuliebe auf Hafermilch zurückgreifen.

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