Herausforderung Wildtierbabys – gut gemeint ist nicht immer gut gemacht!

Junges Eichhörnchen auf einem Ast

Verwaiste Igel- oder Eichhörnchenkinder, aus dem Nest gefallene Küken oder im Straßenverkehr verletzte Wildtiere – immer häufiger haben wir mit wilden Sorgenkindern zu tun und hier erfahren Sie, warum die ganze Thematik so komplex ist und warum dieser Teufelskreis kein Ende nimmt …

Die Sache mit den Wildtierbabys ist wie ein Eisberg: das gerettete Eichhörnchenkind, welches aufgepäppelt und fröhlich kletternd in die Freiheit entlassen wird, ist nur dessen Spitze. Dass hinter der romantischen Vorstellung, einem Wildtierbaby das Leben zu retten, eine komplexe Problematik steht, dessen Lösung sich selbst immer wieder in den Schwanz beißt, wissen nur wenige.

Wildtier in Not - was tun?

Taubenküken frisst aus der Hand
Taubenküken bei uns in der Aufzucht

Aber fangen wir doch einmal ganz von vorne an! Ein tierlieber Mitbürger entdeckt hinter seinem Garten einen augenscheinlich abgemagerten Igel am helllichten Tag. Sofort schrillen alle Alarmglocken, denn wenn sich ein Igel tagsüber blicken lässt, kann doch etwas nicht stimmen. Oder jener Tierfreund findet ein Vogelküken auf dem Boden, es scheint aus dem Nest gefallen zu sein. In beiden Fällen wird leider oft vorschnell gehandelt. Denn zu allererst gilt: Ein Wildtier darf nicht aus seinem Habitat entfernt werden! So will es das Gesetz!

Unserem Mitbürger ist dieses Gesetz vermutlich in diesem Wortlaut nicht bekannt oder sein Wille zu helfen ist größer als die Angst das Gesetz zu brechen. Was tut er also? Er packt den Igel in einen Karton und legt ihm was zu fressen bereit. Vielleicht denkt er, ein Igel wäre ein Nager und versorgt ihn mit einigen Salatblättern. Oder er hat davon gelesen, dass Igel Würmer fressen, also fischt er einige aus dem Kompost. In beiden Fällen handelt es sich um falsches Futter und der Helfer handelt tierschutzwidrig. (Richtig wäre Katzenfutter.)

Im Fallbeispiel des Vogelkükens kommt noch hinzu, dass kaum eine Privatperson das nötige Fachwissen hat, um eine derartige Situation richtig einzuschätzen. Manche Vögel versorgen ihre Küken weiterhin am Boden, auch wenn sie aus dem Nest gefallen sind. Oder es gibt generell Arten, die Nestflüchter sind und daher grundsätzlich außerhalb des Nestes anzutreffen sind. Woher weiß man also, welches Vogelkind überhaupt hilfsbedürftig ist und wo mit Hilfe Schaden angerichtet wird?

Kommunen wenden sich ab!

Igelkind
Hilfsbedürftiges Igelkind

Der richtige Weg, wenn einem ein augenscheinlich hilfsbedürftiges Wildtier auffällt wäre also, erst einmal die Hände davon zu lassen. Nimmt man es ganz genau, gilt es zu allererst, den zuständigen Waidpächter ausfindig zu machen. Denn nahezu jedes Fleckchen Natur ist irgendeinem Waidpächter zugeordnet, auch wenn es sich den eigenen Garten, Hinterhof oder Grünstreifen dazwischen handelt. Wie aber kann dieser Jagdpächter ausfindig gemacht werden? Versucht man es bei der Gemeinde, landet man schnell in einer Sackgasse. Denn entweder wissen die Zuständigen nicht, worum es denn dabei überhaupt geht und haben auch kein Interesse daran oder es darf aus Datenschutzgründen keine Auskunft erteilt werden.

Was also ist zu tun? Nimmt man das Tier nun doch mit und bringt es zu einem Tierarzt, kommt eine weitere Maschinerie in Gange. Der Tierarzt nimmt das Wildtier in Augenschein und wägt ab: direkt einschläfern oder versorgen. Da auch ein Tierarzt wirtschaftlich tragfähig arbeiten muss, wählt er den für sich passenden Weg. In beiden Fällen kommt es jedoch zu Kosten, die getragen werden müssen! Rein rechtlich darf ein Tierarzt diese Rechnung nicht an eine Privatperson stellen, sondern der zuständigen Kommune. Diese verweist ihn erneut an den Jagdpächter. Nehmen wir einmal an, der Tierarzt erfährt tatsächlich um welchen Jagdpächter es sich handelt, wird er bei der Anfrage für Kostenübernahme die Antwort erhalten, warum die Privatperson denn das Tier überhaupt aus seinem natürlichen Lebensraum entfernt hat.

Sie sehen, die Problematik dreht sich an dieser Stelle einige Male im Kreis und dann stellt der Tierarzt den für diesen Stadtteil zuständigen Tierschutzverein die angefallenen Kosten in Rechnung. Sie werden es kaum glauben, aber so kamen in 2020/21 über 5500 € zusammen, die wir, der Tierschutzverein für den Rhein-Kreis-Neuss, übernommen haben. Und dort sind noch keine Fahrtkosten enthalten!

Tierschutzvereine bleiben auf den Kosten sitzen!

Marderbaby auf dem Arm einer TH-Mitarbeiterin
Marderbaby auf dem Arm einer TH-Mitarbeiterin

Als wir das Gespräch mit den Zuständigen der Kommunen suchten, wurden wir entweder damit abgewiegelt, dass ihnen das Problem egal sei oder es wurde sich auf die rechtlichen Gegebenheiten berufen. Schlussendlich wurde uns gesagt, dass die Kosten doch gefälligst vom Finder übernommen werden sollen, wenn dieser meint helfen zu müssen und wenn er nicht bereit wäre, solle er das Tier überhaupt nicht erst aufnehmen.

Laut den Zuständigen, sollen tierliebe Bürger also nicht helfen, da sie als Laien die Situation nicht richtig einschätzen können! Unserer Meinung nach ist dies der völlig falsche Ansatz, denn zu Recht wollen sie einem Tier in Not helfen und dies ist auch richtig so! Nicht die Hilfsbereitschaft von Tierfreunden ist falsch, sondern die Haltung der Kommunen, die es sich leicht machen und nichts damit zu tun haben wollen.

Und somit bleiben wir als Tierschutzverein auf den Kosten sitzen, die unsere Rücklagen auffressen, weil die Zuständigen nichts damit zu tun haben wollen. Und das Problem wird größer, denn die Zahl an hilfsbedürftigen oder verletzten Wildtieren nimmt zu! Deren Lebensräume werden kleiner und die Gefahr im Straßenverkehr größer …

Wir wenden uns nicht ab! Für uns zählt jedes Leben, aber dafür sind wir dringend auf Ihre Unterstützung angewiesen. Mit einer Spende oder Patenschaft für Wildtierbabys helfen Sie unserem Verein, dass wir weiterhin Ressourcen und Manpower für diesen Bereich aufbringen können. Denn tatsächlich ist es ein wunderbares Geschenk, ein ehemals verletztes oder verwaistes Wildtierbaby aufzupäppeln, um es dann gesund und stark in die Freiheit zu entlassen. DANKE!

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